Wo endlich alles gut werden sollte
Ich glaube, ich muss euch da noch ne Geschichte weiter erzählen. 🙂
Als der Chirurg mir eröffnete, dass die Rückverlegung des zweiten Stomas bereits zwei Monate nach der ersten erfolgen könne, war ich zunächst schockiert.
Ich hatte mir eingeredet, mit nur einem Stoma gut leben zu können. Schließlich fühlte ich mich damit doch endlich wieder halbwegs normal.
Zwei künstliche Darmausgänge - das war zu viel. Aber einer, der so gut funktionierte und mir kaum Probleme bereitete - warum also die Eile?
Und doch ließ mich der Gedanke, seit der Chirurg diese Möglichkeit erwähnt hatte, nicht mehr los.
Die Aussicht, mein früheres Leben zurückzugewinnen, endlich nicht mehr auf Hilfsmittel angewiesen zu sein, unbeschwert zu leben ... das war verführerisch.
Es war, als hätte man einem Kind eine Schale voller Süßigkeiten hingestellt. Mein Hunger nach einem normalen Leben war geweckt.
Außerdem fühlte ich mich so stark, so fit und so gesund, dass ich den Schritt wagen wollte.
In den Monaten vor der geplanten zweiten Rückverlegung arbeitete ich wie besessen.
Ich wollte alles so organisieren, dass ich die große Operation bestmöglich angehen konnte.
Im Hinterkopf hatte ich jedoch immer, was der Chirurg gesagt hatte: Die Operation hänge von einer letzten Untersuchung ab - ein CT am Tag vor dem Eingriff sollte zeigen, wie es meinem Dickdarm ging.
Neben der Arbeit konzentrierte ich mich auf meine Gesundheit: Ich kochte so gesund wie möglich, meditierte, machte Spaziergänge im Wald und las viel. Ich fühlte mich so lebendig wie seit Jahren nicht mehr.
Je näher der Tag der Untersuchung rückte, desto unruhiger wurde ich. Meine Koffer standen längst bereit - große Koffer, denn falls es zur Operation kommen würde, wollte ich anschließend erstmals eine Reha machen, um dieses Mal wirklich alles richtig zu machen.
Doch ich konnte nicht wissen, ob die Operation überhaupt stattfinden würde. Immerhin bestand noch immer eine nicht geringe Chance, dass die Untersuchungsergebnisse schlecht ausfallen könnten.
Trotzdem bereitete ich zu Hause alles auf eine längere Abwesenheit vor - immer mit dem Gedanken, dass ich vielleicht schon in wenigen Tagen mit zwei riesigen Koffern voller frisch gewaschener Kleidung und verlorener Hoffnung wieder durch dieselbe Tür treten würde.
Ich redete mir ein, dass es nicht schlimm wäre, wenn die Operation nicht stattfinden sollte - aber wer einem Kind die Süßigkeiten vor die Nase gesetzt hat, kann sie ihm schwer wieder wegnehmen, wenn es die Packung bereits geöffnet und den süßen Duft des Zuckers in der Nase hat.
So machte ich mich schließlich, an einem warmen Spätsommertag, auf den langen Weg in das Krankenhaus in der Ferne - dorthin, endlich alles gut werden sollte.
..Fortsetzung folgt.