Alles was ich wollte
…wartet ab.
So schnell ist meine Geschichte noch nicht auserzählt. ✍🏻
Rückblickend gesehen kann ich es heute manchmal kaum glauben, wie ich die letzten Wochen ausschließlich damit verbracht hatte, auf diesen einen Tag hinzuarbeiten.
Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie meine Gedanken unaufhörlich um die möglicherweise kurz bevorstehende Operation kreisten. Die meiste Zeit wünschte ich mir einfach nur, endlich Klarheit zu bekommen - zu wissen, wie es in meinem Leben weitergehen würde.
Viele Fragen hatte ich aufgeschoben, Menschen in meinem Umfeld immer wieder vertröstet: „Das kann ich dir erst nach der Operation sagen.“ Diesen Satz hatte ich viel zu oft ausgesprochen. Irgendwo tief in mir wusste ich, dass sich danach alles ändern könnte.
Selbst wenn der Chirurg entscheiden würde, dass die Operation noch nicht stattfinden sollte - dann wäre es eben so. Dann würde ich mein Leben zunächst weiter mit dem Stoma planen. Inzwischen empfand ich auch diesen Gedanken nicht mehr als schlimm; schließlich wusste ich, wie sehr sich meine Lebensqualität durch den künstlichen Darmausgang verbessert hatte. Alles, was ich wollte, war Gewissheit.
Am Tag vor der möglichen Operation wurde ich bereits stationär aufgenommen, da zunächst noch eine Untersuchung anstand.
Meine Anspannung wuchs von Minute zu Minute. Ich spürte mein Herz an diesem Tag ständig vor Nervosität klopfen.
Das erste Mal, als ich der Dame an der Anmeldung den Grund meines Aufenthalts nannte: die geplante Rückverlegung meines künstlichen Darmausgangs. Dann erneut, als ich das Kontrastmittel zum Trinken bekam - und wieder, als dasselbe Mittel über einen Schlauch in meinen Enddarm gegeben wurde. Mein Atem stockte, als ichnach dem CT liegen bleiben musste. Was hatten die Ärzte wohl gesehen? Würde es schlechte Nachrichten geben? Und wieder später, als ich endlich von der Untersuchungsliege aufstehen durfte - nur um vertröstet zu werden. Der Chirurg würde mir später Bescheid geben.
Es fühlte sich an, als würde mein Herz kurz stehen bleiben, als der Chirurg schließlich nach ein paar Stunden mein Zimmer betrat - mit einer Leichtigkeit, die kaum erahnen ließ, dass ich die ganze Zeit nur auf diesen Moment gewartet hatte.
Mein Herz stockte ein vorletztes Mal, als er schließlich sagte: „Der Darm sieht sehr gut aus. Die Operation morgen kann stattfinden.“
In diesem Moment war da nur noch pure Freude und Erleichterung. Ich war der tiefen Überzeugung, dass nun endlich alles gut werden würde.
Rückblickend gesehen kann ich es heute manchmal kaum glauben, wie man so naiv sein kann.
..Fortsetzung folgt.