Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Es ist bloß Selbstschutz

25. Oktober 2025 10:36 Uhr Instagram

Ihr könnt euch echt nicht vorstellen, was für ein emotionales Auf und Ab das alles war.
Ein kleines Versprechen an euch: Das hier ist die vorletzte Fortsetzung – beim nächsten Mal gibt’s dann endlich das Ergebnis der Operation! 👀✨

An diesem Dienstagmorgen verspürte ich eine seltsame Leere in mir. Obwohl der Chirurg am Vortag angekündigt hatte, die Operation könne heute stattfinden, war ein viel zu großer Teil von mir noch immer überzeugt, dass doch noch etwas dazwischenkommen könnte.

Abführen musste ich nicht - beim Ileostoma ist das wohl überflüssig - und war seit der Nacht lediglich nüchtern geblieben. Meine „Henkersmahlzeit“ war ein Becher Kefir am Vorabend gewesen, der in den letzten Monaten zu meiner täglichen Routine gehört hatte.

Während ich an diesem Morgen duschte, kam der Chirurg zur Visite.

Durch die geschlossene Badezimmertür rief er mir ein lockeres: „Alles okay bei Ihnen? Sind Sie bereit für die Operation heute?“ zu. Ich antwortete mit einem zögerlichen: „Na klar!“

Dann ging alles sehr schnell: Ich zog mein OP-Hemd an und legte mich ins Bett. Kurz darauf erschien ein Pfleger, um mich in den OP-Bereich zu bringen.

Auf dem Weg unterhielten wir uns beiläufig, fast so, als wäre das alles nichts Besonderes. Schließlich verabschiedete er sich, und ich blieb allein zurück, während um mich herum noch geschäftiges Treiben herrschte - Pfleger, die sich um andere Patienten kümmerten, das Klirren von Metall, gedämpfte Stimmen.

Alles wird gut, redete ich mir mantraartig ein. Und doch fühlte ich mich unvorbereitet.

Ich hatte mich nicht einmal wirklich von meinem Stoma verabschiedet.

Nach dem Duschen hatte ich es wie gewohnt versorgt - ohne einen besonderen Blick, ohne einen bewussten Gedanken. Aber hätte ich das tun sollen?

Es ist bloß Selbstschutz, sagte ich mir. Wenn jetzt doch noch etwas schiefginge, wäre jedes große Abschiedsritual rückblickend nur schmerzhaft und unnötig gewesen.

Aber was sollte überhaupt noch schiefgehen?

Ein wenig später durfte ich auf den OP-Tisch steigen, wurde verkabelt und ein letztes Mal befragt. Kurz bevor ich einschlief, trat der Chirurg noch einmal an mich heran.

Er lächelte zuversichtlich und sagte: „Bevor wir das Stoma zurückverlegen, schauen wir noch einmal nach der Fistel - ob sie wirklich nicht mehr da ist.“

Ich schluckte und nickte. Mein Herz klopfte bis zum Hals.

Da war sie also - die letzte Möglichkeit, wie alles doch noch richtig schiefgehen könnte.

..Fortsetzung folgt.

Beutelomausi