Die Rückverlegung - Teil II
Diesen Beitrag wollte ich bewusst an dem heutigen Tag mit euch teilen. Denn heute wird mein Account hier ein Jahr alt. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich nach nur einem Jahr hier bereits umbenennen kann. Ab heute wäre es also beutelLOSmausi für euch. Was aber nicht bedeutet, dass die Geschichte auserzählt ist!
Als ich aufwache, muss ich würgen. Die Ärzte ziehen den Schlauch aus meinem Hals, der mich während des Schlafs künstlich beatmet hat. Im nächsten Augenblick klettere ich - mit Unterstützung - vom OP-Tisch in mein Bett. Ich kann kaum klar denken, doch die Ungewissheit frisst mich bereits auf.
Ich höre die Stimmen der Pfleger wie aus weiter Ferne. „Es ist alles gut gelaufen.“, sagen sie um mich herum. Doch wie können die wissen, was gut gelaufen meint. Es sind doch nur sie. Die, die von außen darauf
schauen - mit ausreichender Distanz.
Ich muss mich selbst vergewissern und greife, ohne groß nachzudenken, an meinen Bauch. Es stimmt. Der Beutel ist weg. Ich habe keinen künstlichen Darmausgang mehr. Dafür tut es weh. Die Pflegerin gibt mir ein Schmerzmittel. Danach verstreicht die Zeit schneller. Es sind nur Schmerzen. Schmerzen, die vergehen werden.
Als ich auf mein Zimmer komme, ist es zwölf Uhr. Ich bin noch immer benommen von der Narkose. Mal vollkommen weggetreten, mal kurzzeitig wieder da. Dann bitte ich die Pfleger, mir die Kleidung zu geben, die ich extra rausgelegt hatte. Ich ziehe mich an. Raus aus dem OP-Hemd, zurück ins Leben.
Kurz darauf stehe ich - mit Hilfe - das erste Mal auf und gehe ein paar Schritte. Ich werde immer wacher, während die Stunden voranschreiten. Es ist nur etwas Zeit. Zeit, die ich zum heilen brauche.
Wieder etwas später bekomme ich Besuch. Endlich ist er da. Wir unterhalten uns voller Leichtigkeit. Wir freuen uns beide. Wir gehen über den Gang, wir sprechen, wir scherzen. Die Schmerzen sind vergessen. Die Unbeschwertheit ist allgegenwärtig. Es sind nur er und ich und die Tatsache, dass mein Leben jetzt gut wird.
Danach schlafe ich schnell ein. Es ist ein leicht benommener Schlaf. Voller Unterbrechungen, wie man es kennt im Krankenhaus. Aber friedlich. Am Morgen bin ich glücklich. Das Frühstück besteht aus Flüssigkeit. Das ist okay. Ich weiß doch wofür es ist. Ich dusche und muss keine Versorgung wechseln. Es sind nur ich und mein Körper. Es fühlt sich leicht an alles. Anders, ja, aber doch so viel einfacher.
Die Zeit an diesem Morgen vergeht schnell. Es ist ein wunderbares Gefühl. Zwei künstliche Darmausgänge - innerhalb von zwei Monaten zurückverlegt. Ein Körper, der heilt. Der mir endlich das Leben schenkt, das ich mir so lange erhofft habe. Es ist so viel ist in mir - Zuversicht und Dankbarkeit und Hoffnung.
Es waren vierundzwanzig Stunden. Mein Körper schenkt mir vierundzwanzig wertvolle Stunden, in denen ich glauben durfte, alles sei in Ordnung. Keine Angst, keine Sorgen, keine Gedanken. Es war einfach nur ich. Kurz bevor ich alles verloren habe.