Die Reha - drei Wochen ganz besonderer Art
Die Reha war eine Anschlussheilbehandlung. Sie begann exakt drei Wochen nach der Operation und dauerte ebenfalls genau drei Wochen.
Wenn ihr nähere Informationen zur Klinik oder zum Ablauf der Beantragung möchtet (wobei ich dazu sagen muss, dass ich privat versichert bin und es deshalb etwas anders abläuft), schreibt gerne in die Kommentare. 🙋🏼♀️ Ansonsten würde es mich auch interessieren, ob und welche Erfahrungen ihr so bisher mit Rehabilitationsmaßnahmen gemacht habt - wart ihr schon einmal in einer Reha? Und wenn ja, mit welchem Gefühl seid ihr rausgegangen? Wenn nein, wieso wart ihr noch nicht dort? 🙆🏼♀️
Drei Wochen nach meiner zweiten Stoma-Rückverlegung konnte ich endlich in die Reha.
Bis dahin war es ein ziemlicher Kampf - ein Kampf, in dem ich nicht nur um immer längere Abstände zwischen den Toilettengängen rang oder darum, endlich zu lernen, was meinem Körper guttut, sondern auch ein Kampf gegen etliche Sozialdienste und Krankenkassen.
Zuerst galt ich als zu gesund für eine Rehabilitationsmaßnahme - und dann plötzlich als zu krank.
Doch es ist schließlich nicht so, als hätte ich nicht schon deutlich härtere Kämpfe gewonnen. Und so hielt ich dann endlich, zehn Minuten vor meiner Abfahrt in die Reha, final die Kostenzusage meiner Krankenkasse in den Händen.
Von diesem Moment an begann meine Anschlussheilbehandlung.
Ich verbrachte drei Wochen ganz besonderer Art in einer Klinik weit weg von meinem Zuhause - mit grandioser Aussicht und wunderbaren Menschen um mich herum.
Ich wünschte, ich könnte nach diesen drei Wochen sagen, dass ich mich vollständig geheilt fühle.
Dass ich mir bei jedem neuen Essen keine Sorgen mehr machen muss.
Dass mein Blick nicht mehr automatisch jeden Raum nach einer Toilette absucht.
Dass ich keine Probleme mehr mit dieser verdammten Unberechenbarkeit meiner Krankheit habe.
Doch das ist nicht so.
Die Reha vollbrachte keine Wunderheilung - ich glaube, das tut sie bei kaum jemandem. Aber sie schenkte mir etwas anderes.
Sie schenkte mir Zeit, mich selbst und meinen Körper weiter kennenzulernen.
Sie schenkte mir viele sportliche Aktivitäten, vor denen ich mich sonst immer gedrückt hatte: Kraft- und Gehtrainings, Beckenbodenübungen, Gymnastikstunden und Schwimmeinheiten - Aktivitäten, die zwar nicht meinem Bauch, aber zumindest mir selbst halfen, mich besser zu fühlen.
Die Reha schenkte mir Vorträge, Austausch, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen, die mir zeigten, dass ich bereits auf dem richtigen Wegbin.
Und die Reha schenkte mir Menschen, die spannende Geschichten, einzigartige Berufe und bereichernde Erlebnisse mit sich brachten. Menschen, die sich von mir überreden ließen, dreißig Minuten Fußweg bergauf auf sich zu nehmen, nur um 100 ml einer Heilquelle zu trinken oder Pommesbuden auf dem Weihnachtsmarkt anzuschauen.
Menschen, die mir beibrachten, dass Tischtennis gar nicht so übel ist und dass es nur eine vernünftige Variante gibt, Rummikub zu spielen. Menschen, denen es ähnlich ging wie mir. Menschen, die schafften, dass ich mich nicht mehr so allein fühlte.
Und schließlich schenkte die Reha mir die Erkenntnis, dass ich krank sein darf.
Das Wissen, dass es in Ordnung ist, Schwäche zu zeigen und auch einmal aus dem Alltag auszusteigen - nur um anschließend gestärkt zurückzukehren.
Und die Einsicht, dass es niemals der eine Arzt, niemals das eine Medikament und niemals diese eine Therapie sein wird, die mich heilt. Sondern dass ich eigentlich schon längst ganz genau weiß, wer es in Wirklichkeit tut.